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Neue Zucht-Ordnung

Am 30. Juni 2009 ist die neue Zucht-Ordnung unseres Dachverbandes, des VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen), in Kraft getreten.

Die z. Z. 156 VDH-Rassehunde-Zuchtvereine werden innerhalb von zwei Jahren ihre rassespezifischen Zucht-Ordnungen anpassen; beim DTK/BDK sind dies die Zucht- und Eintragungsbestimmungen.

Ordnungen des Dachverbandes sind Rahmen-Ordnungen, deren Vorgaben die Mitgliedsvereine des VDH in ihren Vereins-Ordnungen als vorgegebene Mindestvoraussetzungen genau so einhalten und erfüllen müssen wie das Tierschutzgesetz.

Die neue VDH-Zucht-Ordnung ist in jahrelanger, sehr fruchtbarer Diskussion - auch in entsprechenden Arbeitssitzungen - mit den Vertretern der VDH-Rassehunde-Zuchtvereine entstanden und gegenüber der alten Ordnung sehr viel straffer gefasst und vor allem durch ausführliche und anschauliche Durchführungsbestimmungen erweitert. So ist sie nicht nur verbindliche Vorgabe für die Mindestvoraussetzungen der Rassehundezucht im Verband für das Deutsche Hundewesen, sondern vor allem praktische Hilfestellung, insbesondere für kleinere Mitgliedsvereine

Der DTK mit seinen Landesverbänden (z. B. unser BDK) ist nach dem SV (Verein für Deutsche Schäferhunde) der zweitgrößte Rassehunde-Zuchtverein im VDH und hat deshalb natürlich eine entsprechend gewachsene und funktionierende Infrastruktur, auch was das Zuchtwesen und die Zuchtvoraussetzungen angeht.

Dennoch mussten nach dem In-Kraft-Treten der neuen Rahmen-Zucht-Ordung einige Punkte hinsichtlich der Zuchtvoraussetzung im DTK/BDK modifiziert werden.

Ohne auf diverse Voraussetzungen für die Zucht im VDH einzugehen, spreche ich an dieser Stelle einen Kernpunkt in der neuen Ordnung an.

Das Fundament für die Zucht von Rassehunden im VDH ruht auf drei „Säulen“:

Gesundheit - Verhalten - Formwert

Das heißt, alle Rassehunde - für uns die Dackel - mit denen unter dem Dach des DTK/VDH gezüchtet wird, müssen gesund und verhaltenssicher sein und dürfen im Exterieur nach dem geltenden Standard keine groben Formfehler aufweisen, was mit einem für die Zuchtzulassung relevanten Formwert belegt wird.

Natürlich haben verantwortungsvolle Züchter diese Grundvoraussetzungen immer schon erfüllt, aber jetzt müssen diese drei Forderungen für eine Zuchtzulassung dezidiert nachgewiesen und dokumentiert sein.

Bis auf weiteres wird beim Dackel vor der Zuchtzulassung hinsichtlich der Gesundheitsüberprüfung nur eine Augenuntersuchung (v.a. auf PRA und Juvenile Katarakt – beides erblich bedingte Augenerkrankungen) verlangt. Selbstverständlich wird der DTK bei verstärkt auftretenden anderen erblichen Krankheiten reagieren und vor dem Zuchteinsatz entsprechende Untersuchungen fordern. Die in Zukunft wohl immer häufiger zur Verfügung stehenden molekulargenetischen Testverfahren (indirekte oder direkte Mutationsdiagnostik) werden hierbei hilfreich sein.

Hinsichtlich des Verhaltens hat der DTK bereits im Oktober 2009 klare Leitlinien vorgegeben.

Da wir in unserer Gesellschaft keine überängstlichen oder aggressiven Hunde wollen, darf mit solchen nicht gezüchtet werden; die nachgewiesene Verhaltensüberprüfung für Zuchthunde ist deshalb im gesamten VDH-Bereich verbindlich festgelegt worden und wird von jedem Hund (Hündin oder Rüde) verlangt, der neu in die Zucht kommt.

Da unsere liebenswerten Dackel fast alle verhaltenssicher und sozialverträglich sind, dürfte diese Forderung für nur wenige eine echte Hürde vor der Zucht darstellen, zumal Dackel mit Begleithunde-Prüfung(en) oder jagdlichen Leistungszeichen nicht noch einmal überprüft werden müssen.

Die Formwertbeurteilung wurde und wird bislang vor dem Zuchteinsatz einmal verlangt, natürlich vergeben von einem Formwert- oder Ausstellungsrichter für Dackel auf Dackel- Zuchtschauen oder Hunde-Ausstellungen.

Hier wird sich mittelfristig im Zuge der Anpassung an die neue VDH-Zucht-Ordnung eine kleine Veränderung insofern ergeben, als auf den traditionellen „Zuchtzulassungen“, den Dackel-Zuchtschauen, entweder zwei Zuchtrichter den Formwert vergeben oder die Formwertbeurteilung auf zwei Zuchtschauen von zwei verschiedenen Richtern erfolgt.

„Formwert“ klingt in meinen Ohren für unsere Hunde sehr technokratisch und wird m. E. auch dem gemeinten Inhalt nur sehr unzureichend gerecht.

Wenn ich auf Zuchtschauen oder großen Hundeausstellungen Dackel beurteile, dann geschieht dies ausschließlich nach den im „Standard“ festgelegten Kriterien für die kurz-, lang- und rauhaarigen Dackel, die seit Jahrzehnten in drei Größen – Kaninchen- (Brustumfang bis 30 cm), Zwerg- (BU bis 35 cm) und Normalschlag-Dackel (Gewicht möglichst nicht über 9 bis 10 kg) gezüchtet werden.

3 Haararten x 3 Größenvarietäten = 9 „Rassen“ oder, wie andere sagen, Varietäten:

Die Wahl muss aber für alle, die sich für einen Dackel als Freund und Begleiter für einen langen (und doch immer wieder viel zu kurzen) Lebensabschnitt entscheiden, nicht zur Qual werden, da für jeden der richtige Dackel – Dachshund – Teckel dabei ist.

Die Formwert-Beurteilung des Dackels erfolgt einzig und allein nach dem F.C.I. Standard Nr. 148 vom 9. Mai 2001 (Dachshund – Dackel - Teckel – drei Namen für eine Rasse, deren Ursprung in Deutschland liegt und die deshalb weltweit als eine der bedeutendsten deutschen Hunderassen gilt).

F.C.I. = Federation Cynologique International = die kynologische Welt-Dachorganisation, deren einziger deutsche Landesverband der VDH mit seinen Mitgliedsvereinen ist. Die F.C.I. wird 2011 hundert Jahre alt, der VDH hat sein 100-jähriges Jubiläum bereits 2006 gefeiert, den DTK gibt es seit 1888, den BDK seit 1893 und unsere Sektion Augsburg im BDK seit 1961).

Natürlich sind im gültigen Standard Größen und Gewicht, Behaarung, Farben, alle anatomischen Details „von Kopf bis Pfoten“, Stand und Bewegungsablauf und die diversen kleineren, schweren und zuchtausschließenden (disqualifizierenden) Fehler klar beschrieben und definiert und jeder Interessierte - wenn Sie diese Zeilen lesen, gehören Sie zweifellos dazu – sollte sich einen Ausdruck des Standards besorgen (z. B. als download über die Links BDK oder DTK oder auch direkt über fci.be, wo von der F.C.I. alle Standards der anerkannten F.C.I.-Rassen mehrsprachig ins Netz gestellt sind).

Ein Zuchtrichter muss natürlich zunächst jeden Dackel der neun Rassen daraufhin überprüfen, ob er den Kriterien seiner Varietät entspricht, er muss ihn auf zuchtausschließende Fehler hin untersuchen und dann im Stand, vor allem aber natürlich in der rassetypischen Bewegung die oben genannten Details werten und beschreiben.

Aber unsere Dackel sind Lebewesen, Persönlichkeiten, die sich bei durchaus vergleichbar korrekten Details doch ganz unterschiedlich präsentieren können!

Und deshalb spielen Typ, Ausstrahlung, Ausdruck und Kopfhaltung, Adel und vor allem auch souveränes, rassetypisches Verhalten und das für mich als Richter immer wieder faszinierende harmonische Zusammen-„Spiel“ von Fraule/Herrle und ihrem Dackel bei der Präsentation eine entscheidende Rolle, besonders wenn es um die Platzierung der besten Dackel geht.

Dennoch: Ausstellung und Zucht sind zwar durchaus miteinander „vernetzt“, denn auch der Phänotyp des präsentierten Hundes spielt in der Zucht natürlich eine nicht unerhebliche Rolle und es gibt immer wieder „positiv durchschlagende“ Vererber – aber ein Ausstellungssieger muss nicht zwangsläufig ein guter Vererber sein!

Deshalb sind für die Hundezucht neben den Ausstellungsergebnissen, die den Phänotyp des Hundes beschreiben, genotypische Punkte bedeutend wichtiger; und gar nicht so selten ist ein mit dem Formwert „sehr gut“ – und nicht „vorzüglich“ – bewerteter Dackel ein wertvoller Vererber, da sein Genotyp (sein Erbmasse) besser ist als bei dem einen oder anderen Ausstellungssieger.

Am besten ist selbstverständlich ein „Superhund“, der, wo immer er auch präsentiert wird, unter den Siegern zu finden ist, und dessen positiver Genotyp sich in entsprechend zahlreicher, vorzüglicher Nachzucht bestätigt hat. Natürlich gibt es solche Hunde hin und wieder …

Aber auch hier droht der Rasse eine nicht zu unterschätzende Gefahr, besonders, wenn es sich dabei um einen Rüden handelt!

Wenn zu viele Züchter ihre Hündinnen immer wieder vom gleichen Sieger belegen lassen, wird der Genpool der Rasse fahrlässig verkleinert, der Inzuchtkoeffizient steigt und Fehler (vor allem natürlich erblich bedingte Erkrankungen) können von Familienproblemen in der Population zu Rasseproblemen werden.

Deshalb sollte der persönliche Zuchtbeitrag eines verantwortungsbewussten Züchters vor allem das Bemühen um den Erhalt einer breiten genetischen Basis für die Rasse sein - neben dem Zuchtziel von möglichst formvollendeten, gesunden, langlebigen, verhaltenssicheren und sozialverträglichen Dackeln!

Ich wünsche mir, dass unsere Züchter diese Gesamtsicht nicht aus den Augen verlieren.

Sieghart Muthsam

 

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